Ich bin eine Hanauerin, ja, das bin ich!

©Ja, das bin ich und ich bin stolz darauf! In diese schöne Stadt wurde ich hinein geboren, das war kurz nach Kriegsende. Wir wohnten an der Kinzig in einem großen Hofgelände. Wie wir wohnten? Mein Vater, der verwundet vom Rußlandkrieg nachhause kam, dem sein rechter Unterarm durch eine Granate   abgerissen wurde als 18jähriger junger Mann, kurz vor Stalingrad. Der auf einem Auge blind wurde durch die fliegenden Granatsplitter die aber viele seiner Freunde dort im Schützengraben tötete. Dort in diesem großen Hofgelände baute er nach dem Krieg zusammen mit einigen Freunden für uns eine kleine Wohnung aus Resten von herumliegenden Steinen und Schutt, welche übrig war vom Bombenangriff auf Hanau. Einem totalen Angriff auf diese Stadt.

Es war nur eine kleine Wohnung, bestehend aus Küche mit Kohleofen und einem kleinen Zimmer mit 2 Betten für uns alle 4. Dort wohnten wir bis wir eine Wohnung bekamen am Heumarkt, direkt in der Nähe dort wo die ersten Schüsse auf Menschen abgegeben wurden am 19.2.2020. Als Hanauerin drücke ich mein tiefstes Bedauern aus denjenigen, die ihre Angehörigen und Liebsten durch diese Wahnsinnstat, verloren haben!  Ich kenne diese Gegend und ich kenne diese Stadt, sie war mein Zuhause welches ich liebte. Meine Kindheit und Jugend habe ich dort verbracht, bis ich durch einen Angriff auf mein eigenes Leben diese Stadt verließ.

Ich habe nach Kriegsende noch rollende Panzer erlebt die nach Hanau kamen, habe GIs erlebt die uns Kinder Schokolade und Kaugummis schenkten. Die uns auf den Schoß nahmen und uns als Kinder die Angst vor den rollenden Ungetümen nahmen! Ich habe nach dem Krieg erlebt wie zuerst die italienischen Gastarbeiter kamen, wie dann mehr und mehr USSoldaten Einzug hielten und mehr und mehr Gaststätten und Nachtclubs eröffnete wurden, damit sie, die jungen GIs, dort ihr Geld lassen konnten. Ich habe selbst erlebt wie GIs betrunken Auto fuhren und ein Mann direkt neben mir dadurch zu Tode kam, direkt am Heumarkt!

Ich habe erlebt wie viele Menschen aus der Türkei zu uns kamen, nach Hanau, dort ihre Lebensmittelgeschäfte eröffneten, wie Griechen und Chinesen kamen, und es war GUT!

Alle Menschen mit welchen ich zu tun hatte, waren Menschen wie du und ich! Jede Stadt hat ihre eigenen Seiten, Hanau ist meine Heimatstadt die ich bis heute liebe. Umso mehr erschüttert es mich dass dort diese unfassbare Tat geschah die ein junger Mann ausübte der sicherlich wirr im Kopf war. Nicht nur wirr, sondern verrückt. Abgerückt von der Wahrheit die LEBEN ist! Dieser junge Mann hat Menschenleben getötet weil er selbst das Leben nicht, denn sonst wäre das nicht geschehen. Jeder Mensch der Achtung vor dem Nächsten und vor Leben hat sucht LEBEN und tötet es nicht!

Liebe Hanauer, liebe Bürger und Einwohner Hanaus und Umgebung. Alle Bürger die ich kannte waren immer bestrebt ihre Stadt zu beleben, zu erhalten und sie zu verschönern.  So sollte es auch weiterhin sein. Als geborene Hanauerin möchte ich daher an alle Mitbürger dort appelieren, lassen Sie es nicht zu das diese schöne Stadt einen schlechten Ruf bekommt! Lassen Sie sich nicht spalten in GUT und BÖSE. Kein Mensch ist perfekt, kein Mensch ist absolut, das müssen wir uns eingestehen, egal woher wir kommen.

Nehmen Sie keine Rache, egal in welcher Weise. Lassen Sie sich nicht durch Parolen die nun ausgegeben werden, die „Schuldige“ suchen und Schuld zuweisen, ablenken. Jeder von uns ist für sich selbst verantwortlich für sein Handeln und Tun. Es gibt Gesetze die man befolgen muß im miteinander leben.

Doch das größte Gesetz = Gebot ist: LIEBE DEINEN NÄCHSTEN WIE DICH SELBST!

Ich trauere mit den Hinterbliebenen und segne meine Heimatstadt aus der Ferne mit den Worten: LIEBT EINANDER wie CHRISTUS euch geliebt hat.

Herzlichst H. Weitzel

©Das angehängte Bild ist von mir gemalt und ich sende es den Hanauern als symbolisches Zeichen!

©hannah-bildKODAK Digital Still Camera